Tagebuch 6/7 – ActionAid

ActionAid

Mimo und Angela sind von ActionAid, einer national und international operierenden Organisation, die sich hier bei integrativen Projekten engagiert und sich auch politisch positioniert. Wichtig, denn ein regionaler Regierungswechsel kann schnell dazu führen, dass der Staat den Auftrag für BABELE einem neuen, politisch näherstehenden übergibt.

Ein spannender Kontrast wird sichtbar. Während die Politik wohl bewusst Druck „nach unten“ weitergibt, indem Mittel sehr knapp gehalten werden, um politische Forderungen gegenüber der europäischen Union formulieren zu können, ist die Solidarität in der Bevölkerung gross. Gemäss tOmi und Enzo sei die Stimmung gut und es bestehe wenig Angst. Bei unserem Besuch im „Hotel“ wird dieser Eindruck bestätigt. Kontrollen gibt es kaum, Zäune sehen wir nicht. Die Asylsuchenden leben hier im Tourismusquartier zwischen Ferienhäusern, Strand und Pensionen. Die Kulisse mag wohl idyllisch wirken, Wartezeiten im Verfahren von 1-2 Jahren, fehlende Papiere, kaum Aussichten auf Erfolg, fehlende Zukunftsperspektiven und flächendeckende, institutionalisierte Ausbeutung durch die lokalen Agrarbetriebe zermürben die Menschen.

Es war ein langer Tag. Wir alle sind müde und wir geniessen die Gastfreundschaft unserer neuen Bekannten hier. Das tut uns gut, denn viele Eindrücke überfordern uns. Viele Informationen, viele Begegnungen, viele Gespräche. Dabei ist nicht für alle der Umgang in diesem unnatürlichen Feld der nationalen „Kontrolle“ selbstverständlich. An menschlichen Schicksalen wird uns vor Augen geführt, was unsere Gesetzgebung für tragische Schicksale produziert. Ich bin gespannt auf morgen!

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